Hardware
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Der Einbau einer Wasserkühlung besteht aus unterschiedlichen Schritten. Diese Schritte können größtenteils untereinander vertauscht werden. Wir haben uns für die, nach unserer Meinung, am einfachsten/besten geeigneten Reihenfolge entschieden. Dieses HowTo ist eine Hilfestellung. Sollte in der Anleitung bzgl. der Montage etwas anderes erwähnt werden, hat die Anleitung immer die höhere Priorität.


1.)     Einbau des CPU Kühlers

Um den CPU Kühler montieren zu können, muss abgesehen von einem Sockel 2011 System erst eine Backplate auf der Rückseite des Mainboards installiert werden. Sofern das Mainboardtray eine entsprechende Aussparung hat, kann das Mainboard eingebaut bleiben, wenn keine vorhanden ist, empfiehlt es sich das Mainboard auszubauen.  
Nun wird ggf. der alte CPU Kühler demontiert und der CPU Heatspreader gereinigt. Jetzt beginnt die eigentliche Montage des neuen Kühlers. Dazu wird, sofern eine Backplate mitgeliefert wird, diese auf dem Mainboard fixiert und die Halterung für den CPU Kühler montiert. Anschließend wird eine dünne Schicht Wärmeleitpaste auf die CPU aufgetragen. Jetzt wird der CPU Kühler mithilfe der Halterung auf der CPU montiert und mit dem, in der Anleitung vorgeschriebenen, Drehmoment festgezogen.


2.)    Montage des GPU Kühlers

Um den GPU Kühler montieren zu können, wird als erstes die Grafikkarte aus dem PC ausgebaut. Anschließend löst man alle entsprechenden Schrauben um den Kühler nun mit einer vorsichtigen leichten Drehbewegung von dem PCB zu lösen. Die leichte Drehbewegung ist sinnvoll, damit sich das PCB vom Kühler löst, da dieses unter Umständen durch die Wärmeleitpaste, bzw. Wärmeleitpads zusammen kleben. Nun werden sowohl die GPU, als auch der VRAM und die Spannungswandler mit Reinigungsalkohol gereinigt. Anschließend wird auf der GPU Wärmeleitpaste aufgetragen und der VRAM und die Spannungswandler mit dem entsprechenden Wärmeleitpad belegt.
Nun wird, sofern vorhanden, die Backplate auf der Karte fixiert und anschließend der GPU Kühler montiert.


3.)    Montage des Ausgleichsbehälters

Der Ausgleichsbehälter sollte möglichst die höchste Stelle im Kreislauf bilden. Dadurch kann überschüssige Luft durch die Bewegung des Wassers aus den einzelnen Komponenten transportiert werden und sammelt sich anschließend im Ausgleichsbehälter. Oftmals ist es jedoch nicht möglich den Ausgleichsbehälter an der höchsten Stelle zu montieren, dies ist auch nicht weiter schlimm, dafür muss man sich beim anschließenden Entlüften des Kreislaufes nur ein wenig mehr Mühe geben. Die Luft sammelt sich dadurch ggf. in anderen Komponenten und muss erst durch das Entlüften in den Ausgleichsbehälter transportiert werden.


4.)    Montage der Pumpe

Abhängig davon, für welches System man sich entschieden hat, wird nun die Pumpe montiert. Dazu wird die Pumpe entweder direkt mit dem Ausgleichsbehälter verschraubt, oder man sucht sich einen passenden Ort im Gehäuse an welchem die Pumpe montiert werden soll. Nachdem man den Ort festgelegt hat, wird die Pumpe im Idealfall zur Entkopplung auf ein Shoggy-Sandwich gelegt und damit verschraubt.


5.) Montage des Radiators

Kommen wir nun zu dem Teil, der viele Nutzer vor die größte Schwierigkeit stellt. Die möglichst sinnvollste Montagemöglichkeit des Radiators. Viele wissen nicht in welche Richtung sie den Radiator am besten einbauen sollen. Soll die kühle Luft angesaugt werden und anschließend die warme Luft vom Radiator ins Gehäuse gepustet werden, oder soll der Radiator doch lieber die warme Luft aus dem Gehäuse ansaugen und anschließend direkt aus dem Gehäuse befördern?
Unserer Meinung nach, ist dies in den meisten Fällen unwichtig, denn in den meisten Fällen ist die Radiatorfläche so großzügig dimensioniert, dass die Erhöhung der Wassertemperatur von 2- oder 3 °C keinen nennenswerten Unterschied macht. Bei Systemen mit geringer Radiatorfläche empfehlen wir, zu testen welche Förderrichtung der Lüfter in dem entsprechenden Fall am sinnvollsten ist.


6.) Verschlauchung des Systems

Bevor man die Komponenten mit dem Schlauch verbindet empfehlen wir, sich vorher Gedanken zu machen, welche Reihenfolge innerhalb des Kreislaufes am sinnvollsten ist. Sinnvoll insofern, dass man möglichst wenig Schlauch benötigt, oder es für einen persönlich die beste Optik ergibt.  Viele Neueinsteiger wollen nach der Wärmequelle, also der CPU bzw. der GPU einen Radiator platzieren um das Wasser anschließend wieder herunter zu kühlen, bevor das Wasser wieder zu der nächsten Wärmequelle kommt. Dies ist jedoch nicht nötig, da sich das Wasser nach einer gewissen Zeit innerhalb des Kreislaufes auf ca. die gleiche Temperatur einpendelt. Wir empfehlen daher, wie oben bereits geschrieben, die Verschlauchung anhand des Schlauchweges bzw. der Optik zu wählen.
Nachdem man sich Gedanken gemacht hat, wie man das System verschlauchen möchte, geht es nun an das selbige. Dazu nimmt man sich, sofern vorhanden einen Schlauchschneider, oder alternativ eine scharfe Küchenschere. Nun sucht man sich eine Komponente mit der man das Verschlauchen beginnen möchte und schiebt den möglichst gerade abgeschnittenen Schlauch auf die Tülle bzw. den Schraubanschluss. Jetzt führt man den Schlauch zu der entsprechenden Komponente und misst den Abstand zum Anschluss mit dem Schlauch ab. Hierbei dürfen keine Knicke innerhalb des Schlauches entstehen und es sollte auch kein Zug herrschen. Nachdem die Länge bestimmt ist, wird der Schlauch wieder möglichst gerade abgeschnitten und befestigt. Nach diesem Prinzip arbeitet man sich durch das komplette System, bis alles fertig verschlaucht ist.


7.) Befüllen des Systems

Nachdem man nun alle Komponenten verschlaucht hat, geht es an das Befüllen des Kreislaufes. Dazu füllt man Wasser in den Ausgleichsbehälter, bis dieser ca. zu 90% gefüllt ist. Durch den Druck im Ausgleichsbehälter sollte das Wasser nun langsam in den Kreislauf laufen und bis zur Pumpe vordringen. Ist dies geschehen, wird der Ausgleichsbehälter wieder auf ca. 90% gefüllt. Nun kann man, damit der Kreislauf schneller befüllt wird, die Pumpe anschalten. Wichtig hierbei ist, dass man nur die Pumpe anschaltet und das restliche System stromlos lässt. Optimaler Weise funktioniert das mit einem externen Netzteil, welches man zusätzlich erwerben kann, und nur die Pumpe daran anschließt. Preislich sind diese für jeden erschwinglich und durchaus praktisch. Sparen lässt sich alternativ auf folgende Weise: Man nutzt einen 2. PC und schließt die Pumpe dort an, oder man trennt  alles vom Netzteil, außer ein CD Laufwerk und die Pumpe. Nun nimmt man, sofern vorhanden, einen 24-Poligen Überbrückungsstecker wodurch das Netzteil startet. Wenn man keinen Überbrückungsstecker hat, kann man alternativ eine Büroklammer aufbiegen und damit am 24- Poligen Mainboardstecker die grüne Ader mit einer beliebigen schwarzen Ader verbinden. Dadurch schaltet das Netzteil ein und die Pumpe fängt an, das Wasser durch den Kreislauf zu Pumpen. Nun wartet man bis der Ausgleichsbehälter nahezu leer ist, zieht die Büroklammer heraus, füllt den AGB wieder auf und steckt die Büroklammer wieder in den Stecker. Dies wiederholt man solange bis der Kreislauf gefüllt ist. Alternativ kann man die Pumpe auf dauerhaft laufen lassen und schüttet immer wieder Wasser in den AGB. Dabei sollte die Pumpe im Idealfall jedoch keine Luft ansaugen.


8.) Dichtigkeitstest

Bevor der Entlüftungsvorgang beginnt, sollte noch ein Dichtigkeitstest durchgeführt werden. Dafür wird weiterhin nur die Pumpe betrieben und das System ca. 10-20 Minuten laufen lassen. Während dieser Zeit empfehlen wir, die Anschlüsse und Schlauchverbindungen immer wieder auf Feuchtigkeit zu überprüfen. Sollte sich irgendwo eine undichte Stelle finden, die Pumpe ausschalten und überprüfen woher die Undichtigkeit stammt. Wenn man die Stelle gefunden hat, die Undichtigkeit beseitigen und den Dichtigkeitstest widerholen. Sollte es während des Dichtigkeittests zu einem größeren Leck kommen, sodass die Hardware nass oder feucht wird, empfehlen wir, in diesem HowTo zu „Hilfe bei Wasserschaden“ zu navigieren.


9.) Entlüften des Kreislaufes

Da das System jetzt komplett befüllt und dicht ist, geht es nun an das Entlüften des Kreislaufes. Dazu bleibt weiterhin nur die Pumpe eingeschaltet. Hier ist es empfehlenswert den PC in alle Himmelsrichtungen zu neigen. Hartnäckig festsitzende Luftblasen lösen sich durch schütteln des PCs, dies ist in der Regel aber nicht notwendig. Beim Schütteln oder Neigen sollte darauf geachtet werden, dass der AGB komplett verschlossen ist. Die Pumpe darf dabei aber keine Luft ansaugen, also muss der Ansaugport der Pumpe dauerhaft unter Wasser bleiben. Während des Entlüftens steigen immer wieder Luftblasen aus den einzelnen Komponenten auf und wandern durch den Durchfluss in den Ausgleichsbehälter. Durch die Luft wird der Füllstand im Ausgleichsbehälter fallen. Wir füllen immer wieder Wasser nach, jedoch nun nur noch auf maximal 70%-75%. Dieser Vorgang wird solange wiederholt, bis keine Luftblasen mehr aus dem Kreislauf kommen.

Nachdem die Wasserkühlung nun montiert und installiert wurde, steht dem ersten Einschalten des PCs nichts mehr im Wege. Um die richtige Montage der Kühler zu überprüfen, empfehlen wir, die CPU und GPU mit Prime95 bzw. Furmark zu belasten und die Temperaturen überwachen. Bei CPUs tritt in der Regel kein allzu großer Temperaturunterschied auf, während der Sprung bei GPUs schon wesentlich größer ist. Wenn der Kühler nicht richtig montiert ist, gibt es zwei Möglichkeiten den Kühler neu zu montieren. Je nach Geschick kann man den Kreislauf befüllt lassen und nur den Kühler demontieren und anschließend mit neuer Wärmeleitpaste neu montieren. Wenn man es sich nicht zutraut den Kühler zu montieren, während der Kreislauf noch befüllt ist, wird das Wasser abgelassen und der Kühler anschließend neu montiert. Nun muss allerdings wieder der komplette Kreislauf befüllt und anschließend entlüftet werden. Sollte hierbei eine Schlauchverbindung geöffnet worden sein, wieder einen Dichtigkeitstest durchführen.


Kommentare
Re: HowTo: Wasserkühlung -- GamingArtsXo
2014 Feb 02 07:56:52 PM
Der "Philosophie-Ausflug von Grinsemann", wie ihr es nennt, ist einfach genial, man merkt richtig das hier einer schreibt der seine Wakü liebt ;)
Und die Aussage "Um den CPU Kühler montieren zu können, muss abgesehen von einem Sockel 2011 System erst eine Backplate auf der Rückseite des Mainboards installiert werden" stimmt jetzt so nicht, ich habe den Kryos Delrin auf meinem 775er Sys ohne Backplate montiert, und es funktioniert auch problemlos. Obwohl ich den Satz im insgesamt zusammen mit dem...
Re: HowTo: Wasserkühlung -- Fanatix
2014 Feb 02 09:08:29 PM
Ja, da bin ich auch sehr stolz auf Grinsemann. Ich habe lange davor gesessen und an verschiedenen Formulierungen gesessen. Ich hatte meinen Text im Kopf aber konnte ihn nicht in Worte fassen....
Re: HowTo: Wasserkühlung -- Grinsemann
2014 Feb 02 09:14:39 PM
auch ein Danke meinerseits :D
hat auch riesen Spaß gemacht :)
Re: HowTo: Wasserkühlung -- GamingArtsXo
2014 Feb 02 10:18:27 PM
Sieht man auch an deinem Testpart, der Text ist einfach genial :D Zum testen der Hardware würde ich halt einfach kurz wieder auf Luft umstellen, da wäre mir die Wakü zu aufwändig
Re: HowTo: Wasserkühlung -- Stonder
2014 Feb 03 09:56:44 AM
Hilfreicher Guide ;) Mal sehen ob ich auch mal in den Genuss einer Wakü komme
Re: HowTo: Wasserkühlung -- GamingArtsXo
2014 Feb 03 04:44:17 PM
Wenn du sie unbedingt willst, wird sie schon zu dir kommen ;)
Re: HowTo: Wasserkühlung -- GySgtHartman404
2014 Feb 03 05:32:31 PM
Früher oder später holt sie jeden ein ;)

Von unterwegs ...
Re: HowTo: Wasserkühlung -- Fanatix
2014 Feb 03 07:20:34 PM
GamingArtsXo wrote:
Sieht man auch an deinem Testpart, der Text ist einfach genial :D Zum testen der Hardware würde ich halt einfach kurz wieder auf Luft umstellen, da wäre mir die Wakü zu aufwändig
Im Prinzip ja, wobei das unter Umständen auch aufwändig ist. Mobo raus, Backplate runter, neue drauf, Kühler montieren. Noch dazu hat nicht jeder einen LuKüler zu Hause.
DAU wrote:
Hilfreicher Guide ;) Mal sehen ob ich auch mal in den Genuss einer Wakü komme
Eine Wakü ist schon was tolles, aber auch ein ziemlich teures Hobby. Man findet immer wieder Sachen die man haben "muss". Und wenn man sie nicht haben "muss" ist dieser...
Re: HowTo: Wasserkühlung -- GamingArtsXo
2014 Feb 03 09:53:41 PM
Naja, wenn man Wasser im PC hatte ist das Mainboard ja im Normalfall schon ausgebaut zum trocknen, da muss dann also nur noch die Backplate runter und der Luftkühler drauf, zur not muss es dann...
Re: HowTo: Wasserkühlung -- Grinsemann
2014 Feb 03 10:43:27 PM
naja, ihr habt beide irgendwo recht. Es kommt auf den Härtefall und die im Gehäuse herrschenden Zustände an die einen Ausbau evtl erschweren und umständlich gestalten lassen....
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